Auftakt
„Als Auftakt (früher auch Aufschlag) bezeichnet man in der Musik den Beginn einer musikalischen Phrase mit einer (oder mehreren) meist unbetonten Note(n) vor Beginn der ersten (in der Regel betonten) Zählzeit im Takt.“
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Auftakt)
Von daher passt diese Bezeichnung hervorragend zu dem Spiel, das wir vor über 2100 Zuschauern im Euregium zum Einstand der „neuen“ HSG Nordhorn-Lingen erleben durften. Viele neue Gesichter auf dem Feld – nicht so sehr im Publikum, mehr als einmal der Griff zum Hallenheft, um die Nummern der Spieler mit den neuen, teils noch unbekannten Namen zu vergleichen. Und dann natürlich die Art des Spiels. Ein Auftakt in wahrstem Sinne. Die HSG ist noch nicht richtig „im Takt“, das merkt man. Und wir, die Fans, sind auch noch etwas irritiert. Die Mannschaft ist eine andere, ja, sie spielt nicht mehr so schnellen Handball, wie man ihn aus den jüngsten Saisonen kennt. Wir müssen uns erst in unseren Erwartungen und Sehgewohnheiten darauf einstellen, dass wir offiziell „zweitrangig“ geworden sind, wenn man sich Liga-Handball in Deutschland als Ganzes betrachtet. Torhüter könnten noch besser fangen, die Abwehr könnte noch kompakter stehen, Pässe gezielter kommen, Abschlüsse besser sitzen. Aber, wie gesagt, es war ein Auftakt und als solcher ein guter.
Denn es sind noch viele Dinge da, die man in der letzten Zeit der Erstliga-Zugehörigkeit von den Nordhornern kennt: Die Spielfreude, das erkennbare Gefühl, da ist eine Mannschaft, wo jeder für jeden eintritt und für sein Team und die Zuschauer um den Sieg kämpfen möchte. Die HSG war immer eine Mannschaft, die sich durch besonderen inneren Zusammenhalt auszeichnet, und Heiner Bültmann hat diese Philosophie ganz offensichtlich übernommen und in das neu zu formende Team als Devise eingegeben. Stützen wie Machulla, erfolgreichster Werfer und Dirigent, und Verjans, Tempo-Gegenstoß-Verwandler – da sind sie, die Blitzlichter, die an die nun vergangenen Zeiten erinnern und sicherlich qualitativ eine Spur über dem liegen, was man ansonsten in der zweiten Liga erwarten kann.
Letzteres gilt sicher auch für die Nordhorner Fans. Nicht nur der „Wilde Westen“, sondern die gesamt Halle hat zum Auftakt gezeigt, dass man mit ihnen auch im der zweiten Liga rechnen muss. In Sachen Support kann dem Publikum kein zweiter Platz zuweisen werden, der ist wie gewohnt erstklassig und der Bezeichnung „Der achte Mann“ mehr als würdig. Das hat sicher auch das knappe Dutzend an WHV-Fans in blauer Montur mitbekommen, das auf sympathische Weise ihr Team unterstützte. Solche Gastfans sind in Nordhorn nach wie vor gerne gesehen.
Zum Spiel selbst muss man nicht viel sagen. Ein knapper Sieg, der mit etwas mehr Konzentration und einer besseren Schiedsrichterleistung (Man hatte das Gefühl, die beiden Herren wären mit der körperbetonten Spielart der beiden ehemaligen Erstligisten ein wenig überfordert) sicher deutlicher ausgefallen wäre, zumal die Abwehr des WHV praktisch kaum vorhanden war. Ansonsten gilt, was oben steht: Torhüter könnten noch besser fangen, die Abwehr könnte noch kompakter stehen, Pässe gezielter kommen, Abschlüsse besser sitzen.
Aber die Grundvoraussetzungen, auf und neben dem Feld, stimmen. Und die Unterstützung auch.
In diesem Sinne: Handball. Heimat. HSG.
(sv)